Kruzifix, 15. Jahrhundert / nach 1620 , St. Michaeliskirche Lüneburg
Das Kruzifix vereint eine spätgotische Christusskulptur und ein frühbarockes Kreuz. Der Christus ist als sterbender „Dreinageltypus“ mit typischen Wundmalen dargestellt. Sein Körper ist aus mehreren verleimten Eichenholzteilen geschnitzt und zeigt ein ausgeprägtes anatomisches Bild. Beide Arme sind eingezapft, der Kopf mit Dornenkrone neigt sich nach vorn und die Augen sind fast geschlossen. Der Lendenbereich ist durch einen gewickelten Schurz bedeckt, die Beine leicht angewinkelt und übereinander gelegt, die Füße und Hände sind von Nägeln durchbohrt. Das große Eichenkreuz besteht aus zwei überblatteten Bohlen, mittig ist ein kleineres profiliertes Kreuz aufgesetzt, auf dem der Korpus Christi befestigt wird. Das Kreuz ist beidseitig bemalt mit den Symbolen der vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Im Zuge der restauratorischen Untersuchungen wurde versucht, die Geschichte des Objektes nachzuvollziehen und die frühen Farbfassungen zu identifizieren und einzuordnen. Zu diesem Zweck sind verschiedene Farbproben mikroskopisch ausgewertet worden. Demnach sind die heute sichtbaren Farbfassungen geprägt von einer Mischung verbliebener älterer Bemalungen, die aber dem Charakter der frühen Farbigkeiten in den Grundzügen entsprechen. Darüber hinaus wurde festgestellt, dass sowohl der Korpus des Christus mit seinen exponierten Körperteilen als auch das Eichenkreuz fast komplett im Originalzustand erhalten sind. Die restauratorischen Untersuchungen bildeten eine fundierte Grundlage zur restauratorischen Bearbeitung, die sich nach dem Entfernen der massiven Verschmutzungen hauptsächlich auf die Sicherung und Erhaltung des Bestandes und eine zurückhaltende Behandlung der Oberflächen fokussierte. So sind nach der Demontage des Kruzifixes vor allem Verleimungen gelöster Holzteile, Festigungs- und Reinigungsarbeiten, Konservierungen der Metallteile sowie Kittungen und Retuschen in reversibler Technik durchgeführt worden. Lediglich die fehlenden Stacheln der Dornenkrone wurden rekonstruiert und das Lendentuch des Christus an den ursprünglich vergoldeten Zustand angepasst, um den Gesamteindruck wieder zu vervollständigen.
Der Christus nach der Reinigung und der Kittung der Fehlstellen